Fälle

Anleger können Schadensersatz verlangen

08.05.2011 - Das Konzept war bereits von der Göttinger Gruppe und der Südwest Finanz-Vermittlung AG her bekannt. Ebenso wie diese bot das Würzburger Emissionshaus Deutsche Frankonia Beteiligungs AG (Frankonia) in der Vergangenheit Anlegern atypisch stille Beteiligungen an Fonds, wie dem Frankonia Direkt AG Beteiligungs Fonds I, dem Frankonia Wert AG Beteiligungs Fonds II und dem Frankonia Sachwert Beteiligungsfonds III, an. Ferner können Anleger bei der Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5 AG & Co. KG der Frankonia sog. Kommanditbeteiligungen erwerben.

Bei der atypisch stillen Beteiligung wird der Anleger Mitgesellschafter der Anlagefirma, tritt jedoch nach außen nicht in Erscheinung. Seine Einlage leistet er entweder als Einmalanlage und/oder in monatlichen Raten. Die Anleger - häufig Kleinanleger - werden meist mit dem Versprechen gelockt, mittels Verlustzuweisungen Steuern zu sparen.

Aufgrund der faktischen Stellung des Anlegers als Mitunternehmer sind atypisch stille Beteiligungen für diese mit erheblichen Nachteilen verbunden: Besonders problematisch ist, dass der Anleger entsprechend seiner Beteiligung mögliche Verluste mitträgt. Das heißt, wenn die Investitionen der Gesellschaft nicht erfolgreich sind, haftet der Anleger für Verluste bis zur Höhe seiner Gesamteinlage. Ganz davon abgesehen lassen sich die in Aussicht gestellten Steuerersparnisse häufig nicht realisieren.

Entsprechend früh wurde daher auch vor der Frankonia, zu der diverse Tochtergesellschaften wie beispielsweise die Frankonia Service GmbH und die Frankonia Direkt AG gehören, gewarnt. So bezeichnete FINANZtest bereits in seiner Ausgabe vom Juni 2001 den Abschluss einer atypisch stillen Beteiligung bei der Frankonia Sachwert AG als „riskante Beteiligung“.

Negative Schlagzeilen machte die Frankonia in der Vergangenheit auch durch die ursprünglich für den Vertrieb verantwortliche Futura Finanz. So bemängelte FINANZtest in seiner Ausgabe vom Mai 2005, dass die Vermittler der Futura Finanz, welche seinerzeit auch für das vergleichbare Produkt der Göttinger Gruppe (Securente) verantwortlich war, es „bei der Empfehlung dieses Fonds (Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds) nicht so genau (nehmen). Sie verschweigen im Beratungsgespräch gern die Risiken und händigen nur einen einfachen Werbeprospekt aus, nicht den 128 Seiten starken Emissionsprospekt.“

Häufig überredeten die Vermittler die Anleger auch, bestehende Lebensversicherungen zu kündigen - was für die Anleger erhebliche finanzielle Verluste bedeuten konnte -, um dann das ausbezahlte Geld in die Beteiligungen zu investieren.

Erst spät kommt bei den Anlegern die Einsicht, mit der Beteiligung bei der Frankonia einen Fehler gemacht zu haben. Doch die Chancen stehen für sie nicht schlecht, sich von den atypisch stillen Beteiligungen zu lösen; vor allem dann, wenn sie beim Erwerb der Beteiligung falsch beraten wurden. Während bisher die Anleger bei vorzeitiger Beendigung ihrer Beteiligung nämlich lediglich einen Anspruch auf Auszahlung des Auseinandersetzungsguthabens (aktueller Wert der Beteiligung) hatten, besteht nunmehr durch die neuere Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs vom 19.07.2004 (Az: II ZR 354/02) für Anleger die Möglichkeit, Schadensersatz in Höhe der bisher geleisteten Einlagen zu erlangen.

Ansprechpartner: Rechtsanwalt Wolf von Buttlar